Erfahrungsbericht – eine Woche mit dem iPad

Nachdem Apple vor 3 Monaten das iPad in den USA auf den Markt brachte (und seitdem bereits 3 Millionen Stück verkauft hat!), ist es nun seit letzten Freitag auch bei uns erhältlich.

Nach einer Woche iPad-Nutzung frage ich mich zwar noch immer hin und wieder, ob ich das iPad eigentlich brauche, vor allem wenn man bereits ein MacBook Pro und ein iPhone hat – pragmatisch gesehen nicht, vom Bequemlichkeits- und Spaßfaktor her schon.

Und vor allem ist noch “Luft nach oben”, was die Anwendungsbereiche betrifft, es gibt aktuell ca. 20.000 Apps speziell fürs iPad, aber die “Killer-App”, die viele zum Kauf eines iPads animieren würde, gibt’s noch nicht. Aber interessante Ansätze wie das Flipboard (Newsreader) oder Ping Pong Battle (Tischtennis spielen mit einem iPad und zwei iPhones!) gibt es bereits.

Hier nun meine – subjektiven – Eindrücke:

Positives am iPad

  • Schneller Prozessor, dadurch “fühlt” sich Surfen kaum langsamer an als am Desktop (der neue Prozessor ist etwa doppelt so schnell wie der des iPhone 3GS und nur ca. 20% langsamer als ein Atom-Proz. mit 1GHz, der ja in vielen Netbooks verwendet wird)
  • Spiele machen im Vergleich zum iPhone deutlich mehr Spaß – dank des größeren Displays
  • Interface mit iPhone/iPod touch identisch, somit für viele sofort verwendbar, keine Erlernphase notwendig
  • Mit iBooks hat Apple wieder einmal ein tolles App entwickelt – damit macht es wirklich Spaß, eBooks aus dem iTunes-Store, aber auch normale PDFs, die man über iTunes hochladen kann, zu lesen
  • Apropo App, mit den Apple eigenen Apps wird es ja relativ rasch langweilig, aber dank dem iTunes Store gibts weitere 200.000 Apps zum nachinstallieren, 20.000 davon sind speziell ans iPad angepasst (die anderen 180.000 Apps laufen in einem Kompatibilitätsmodus)
  • Apple hat sicher lange an der Displaygröße und am Seitenverhältnis herumexperimentiert, haben in meinen Augen genau richtig entschieden: viele hätten sich zwar ein 16:9 Format gewünscht (Stichwort Kinofilme), aber 4:3 ist speziell für Apps und Webseiten einfach besser geeignet
  • “Instant On” ist echt angenehm, keine Wartezeiten nach dem Aufwecken aus dem Ruhezustand
    die Akkuleistung ist wirklich genial – mehrere Tage trotz intensivem Surfen, Videos schauen und eMailen

Negatives am iPad

  • Um es länger freihändig halten zu können, müsste es um ein gutes Drittel leichter werden. So muss man sich nach dem iPad richten bei der Sitz-/Liegeposition und es zB. auf die Oberschenkel legen
  • Ein neu ausgepacktes iPad kann nicht vom Backup eines iPhone wiederhergestellt werden, man kann zwar fürs iPhone gekaufte Apps am iPad installieren, kann aber keine Settings übernehmen (zB. Zugangsdaten beim Facebook App, Spielstände)
  • Das Betriebssystem ist noch total auf “Medienkonsum” ausgelegt, Daten wie Wordfiles kann man nur umständlich über iTunes mit dem iPad syncronisieren (oder genauso ineffizient über Mobileme, Dropbox und eMail); es gibt keinen gemeinsamen Dokumentepool auf dem iPad, auf den alle Apps zugreifen könnten, was den Datenaustausch zwischen den Programmen sehr mühsam macht
  • Apropo Betriebssystem, vom iPhone mit iOS4 zurück zu einem iPad mit iOS 3.x ist ebenfalls lähmend, da einem sofort viele Features vom iOS4 abgehen (gemeinsame eMail-Mailbox, keine Over-the-Air-Notizen-Syncronisation, App-Ordner,…) – das ist aber nur ein temporäres Problem, voraussichtlich im September kommt iOS4 fürs iPad
  • Ich hoffe, iOS4 inkludiert dann auch einige Programme, die Apple seltsamerweise vom iPhone nicht übernommen hat: Wetter, Uhr, Rechner, Sprachmemos,…
  • eine Kleinigkeit, aber das nur 20 Programme pro Seite möglich sind, ist eine echte Platzverschwendung
  • man kann keine eigene Fonts installieren – was bei Verwendung der eigenen CI in Programmen wie Pages und Keynote problematisch ist
  • Am Zubehör kann man erkennen, wie Apple zu seiner Marge von 40% kommt (Durchschnittswert über die gesamte Apple-Produktpalette); alles für 29 € anzubieten, wo zB. ein Bumper bei den Herstellungskosten wohl eher bei 25 Cent liegen wird, nervt. So kommt man mit allem sinnvollen Zubehör (Digicam-Adapter, Dock, Hülle) auf nochmals fast 100,– €.
  • die eingebaute Videokamera fehlt sicher nur deswegen, damit Apple für die 2. Generation einen Appetizer für Besitzer der 1. Generation hat
  • einfach den Eltern oder Großeltern schenken geht nicht bzw. schwer, man benötigt einen normalen Computer für das (o.k., einmalige) freischalten, für Updates, für Backups,…

Fazit
Steve Jobs bezeichnet die Benutzung des iPads als “magisch”, dies ist – wie meistens – stark übertrieben, aber nach ein paar Minuten Benutzung entsteht doch ein ganz anderer Bezug zu den Inhalten als am Desktop, da man unmittelbar das Gerät bedient, ohne Maus und Tastatur dazwischen. Ein großes Plus sind – wie beim iPhone – die schier unbegrenzten Möglichkeiten, die man durch die Apps aus dem iTunes Store erhält.

Auch abseits von privater Nutzung des iPads tut sich einiges, BMW USA stattet zB. jeden Verkäufer mit einem iPad aus, darauf befindet sich ein eigenes BMW-App über sämtliche BMW-Modelle und deren Konfigurationsoptionen, d.h. der Verkäufer kann mit Kunden vorm Auto stehen und ihm sofort die Gesamtsumme mitteilen oder das Auto in einer anderen Farbe zeigen. Auch im Education-Bereich wird eifrig an Lösungen fürs Klassenzimmer gebastelt.

In den nächsten Tagen folgen dann noch eigene Beträge über Medienkonsum am iPad (Zeitschriften, Magazine) und empfehlenswerte iPad-Apps.

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